Philosophie

Die Zeit ist das Seiende, …

By on September 4, 2019

welches zu seinem Sein keines weiteren Seienden bedarf.

Zur Zeit 🙂 lese ich den „Zauberberg“ von Thomas Mann, den ich schon mit 16 Jahren in meinem Zimmer bei meinen Eltern zu Weintrauben und Malzbier las – ein Buch, das der junge und nun ältere Michael auch nach Aussagen seines Autors mehrfach lesen muss und dies heute erneut tut.

Dieser großartige Roman handelt von der Zeit bzw. von Zeit allgemein. Wir Menschen sind vermutlich die einzigen Lebewesen, die ein Zeitgefühl haben. Die Exzentrizität des Menschen ist somit das Thema des Buchen – das Metathema – wären wir in der Musik würde ich sagen das Leitmotiv. Tiere können nicht unterscheiden zwischen Minuten, Stunden und Tagen. Deshalb freut sich der Hund genau so, wenn man zwei Stunden oder zwei Tage fort war. Für die Dauer hat er kein Empfinden. Es gibt somit keine Proportionalität der Zeit beim tierischen Empfinden dieses Seienden.

Kleiner Exkurs: Die exzentrische Positionalität dagegen kennzeichnet den Menschen im Unterschied zu den Tieren. Tiere sind zentrisch positioniert. Sie leben, in Plessners Worten, „aus ihrer Mitte heraus“. Damit ist gemeint, dass Tiere zwar einen inneren Antrieb, ein Zentrum haben, aber sich nicht selbst auf dieses Zentrum beziehen können. Sie gehen im „Hier und Jetzt“ auf. Dagegen können Menschen in ein Verhältnis zu sich selbst treten: Tiere „sind“ ihr Leib, Menschen „haben“ außerdem einen Körper. Tiere gehen im Erleben auf, Menschen können sich zusätzlich auf ihr Erleben beziehen – sich beim Erleben erleben.

(Exzentrische Positionalität ist ein von Helmuth Plessner geprägter Begriff der Philosophischen Anthropologie.)

„Was ist denn die Zeit?“ fragte Hans Castorp und bog seine Nasenspitze so gewaltsam zur Seite, daß sie weiß und blutleer wurde. „Willst Du mir das mal sagen? Den Raum nehmen wir doch mit unseren Organen wahr, mit dem Gesichtssinn und dem Tastsinn. Schön. Aber welches ist denn unser Zeitorgan? Willst Du mir das mal eben angeben? Siehst du, da sitzt du fest. Aber wie wollen wir denn etwas messen, wovon wir genaugenommen rein gar nichts, nicht eine einzige Eigenschaft auszusagen wissen! Wir sagen, die Zeit läuft ab. Schön, soll sie also mal ablaufen. Aber um sie messen zu können … warte! Um meßbar zu sein, müßte sie doch gleichmäßig ablaufen, und wo steht denn das geschrieben, daß sie das tut? Für unser Bewußtsein tut sie es nicht, wir nehmen es nur der Ordnung halber an, daß sie es tut, und unsere Maße sind doch bloß Konvention, erlaube mir mal …“

Zeit lässt sich einerseits objektiv z.B. mit einer Uhr messen, doch wir Menschen nehmen sie subjektiv und daher individuell wahr. Zeit „vergeht“ uns unterschiedlich schnell. Mal wünschen wir, dass sie überhaupt nicht vergehe, mal kann es uns nicht schnell genug gehen. So empfinden Verliebte die Zeit mit dem Partner als flüchtig. Das Warten an der roten Ampel, an der Kasse oder auf dem Zahnarztstuhl erscheint uns hingegen lang. „Es kommt darauf an, auf welcher Seite der Klotür man sich befindet“, hat Karlheinz A. Geißler es einmal so schön plastisch formuliert.

Hans Castorp, der Held auf bzw. im Zauberberg, genießt die offensichtlich nur langsame verlaufende Zeit im Berghospital sehr:

„Und so war denn Zufriedenheit in Hans Castorps Herzen darüber, dass zwei leere und sicher gefriedete Stunden vor ihm lagen, diese durch die Hausordnung geheiligten Stunden der Hauptliegekur, die er, obgleich nur zu Gaste hier oben, als eine ihm ganz gemäße Einrichtung empfand. Denn er war geduldig von Natur, konnte lange Zeit ohne Beschäftigung wohl bestehen und liebte, wie wir uns erinnern, die freie Zeit, die von betäubender Tätigkeit nicht vergessen gemacht, verzehrt und verscheucht wird.“

Alte Menschen empfinden Zeit übrigens anders als junge. (Ist das die Dialektik der Zeit?) Für alte Menschen scheint die Zeit schneller zu vergehen, vermutlich weil ihre „Uhr“, ihr „Zeitkonto“ bald abgelaufen ist und sie „das Zeitliche segnen“ wird – sie also das Ende ihres Zeiterlebens erreichen.

„Die Zeit ist eine Göttergabe, dem Menschen verliehen, damit er sie nutze – sie nutze, Ingenieur, im Dienste des Menschheitsfortschritts.“

TAGS

September 4, 2019

September 4, 2019

LEAVE A COMMENT

MICHAEL MANGER
Mangonia, HE

Hello my name is Michael and this is my Journey! I use this blog theme to tell people my story. Through all the places and things I see around the world, there isn't a best way to share my experience! Follow my updates and discover with me the essence of American way of life!

Finden
Periscope
Instagram
Die Antwort von Instagram enthielt ungültige Daten.

Follow Me!

Snapchat
Tweets